Staffel 4 - Episode 1

Ich  bekomme Regeln....

 

Ich bin Nörv.

Seit Geburt überreizt. Ich sitze in einem ziemlich menschlichen Menschen und mache das, was ich am besten kann: feuern. Zack, zack, zack. Mal voll im Teamgeist, mal so, als hätte ich die Team-WhatsApp stummgeschaltet und würde trotzdem dauernd Sprachnachrichten senden. Ohne Punkt. Ohne Komma. Ohne Gnade.

Und jetzt kommt mein Mensch plötzlich mit einer neuen Idee um die Ecke: langsamer werden.

Langsamer.
Nicht vorausschauen.
Nicht zurückschauen.
Nicht alles analysieren, als wäre das Leben eine Prüfung und ich müsste in fünf Minuten die richtige Antwort ausspucken. Ich soll nicht mehr feuern, was das Zeug hält. Ich soll… dosieren.

Er hat mir Regeln auferlegt. Regeln! Für mein Feuern! 

Die Liste lautet:
Erste Priorität: dringend und wichtig.
Zweite Priorität: wichtig, aber nicht dringend.
Dann erst: dringend, aber nicht wichtig.
Und zuallerletzt: weder dringend noch wichtig.

 

Ich hab erst innerlich mit den Membranen gerollt. Wirklich. Aber dann passiert etwas Unverschämtes: Ich merke, wie viel sich dringend anfühlt, obwohl es eigentlich… nur laut ist. Wie ein Bahnhof zur Rushhour im Kopf. Alles ruft „JETZT!“, und mein Mensch sitzt da und sagt: „Wir gehen Schritt für Schritt.“

Und ich? Ich sitze daneben, etwas überfordert, etwas erleichtert, und denke: Vielleicht bin ich nicht kaputt. Vielleicht bin ich einfach eine Nervenzelle in einem System, das sehr, sehr gut überleben wollte.

 

Kennst du das auch, dass sich so vieles dringend anfühlt – und du erst später merkst, was wirklich wichtig war?