Ich bin Nörv.
Ich laufe heute schon wieder mit imaginärem Helm durch den Tag.
Tatütata.
Hier ein To-do, da ein Problem, dort noch schnell jemandes schlechte Laune löschen.
Ich springe von Ecke zu Ecke, mit einer inneren Sirene, die gar nicht mehr ausgeht.
Amy rennt neben mir her und ruft:
„Wichtig! Dringend! Sofort! Überall Funkenflug!“
Speedy ist natürlich völlig aus dem Häuschen. Der liebt sowas.
Der trägt schon den Einsatzplan unterm Arm und schreit:
„Keine Pause. Wir retten jetzt alles. Los! Los! Los!“
Und ich? Ich mache. Ich arbeite ab.
Ich antworte, organisiere, schiebe, lösche, beruhige, funktioniere.
Nicht weil ich so unfassbar souverän bin.
Sondern weil mein ganzes System denkt:
Wenn wir aufhören, brennt hier gleich die Hütte.
Body meldet sich irgendwann auch. Mit Kiefer fest. Schultern oben.
Atem irgendwo zwischen Hals und Weltuntergang.
Sehr gemütlich ist das nicht.
Frida Fokus wäre eigentlich zuständig für Überblick, Prioritäten und erwachsene Entscheidungen.
Aber Frida ist heute nicht erreichbar.
„Teilnehmerin ist vorübergehend außerhalb des Sicherheitsbereichs.“
Also mache ich weiter. Noch eine Mail. Noch ein Problem. Noch schnell das da.
Und plötzlich denke ich:
Bin ich eigentlich ein Mensch
oder die Feuerwehr für alles und jeden?
Viva Vagus setzt sich irgendwann still neben mich.
Kein großes Tamtam. Nur dieser Blick, der sagt:
„Nicht alles, was laut ist, ist ein Notfall.“
Uff.
Das sitzt.
Manches in mir hat offenbar gelernt:
Beschäftigt sein ist sicherer als spüren. Abarbeiten ist sicherer als anhalten.
Rennen ist einfacher als merken, dass ich längst auf Reserve laufe.
Und ganz ehrlich?
Man fühlt sich ja auch kurz wichtig in diesem inneren Feuerwehrfilm. Unverzichtbar. Schnell. Tapfer.
Nur leider lösche ich dabei oft Brände, die gar nicht meine sind.
Heute probiere ich was Neues:
Ich nimm einen Stift und zeichne bubbeln, also kleine Kreise. Ein ganzes Blatt voll.
Amy ruft: "sinnlos, hör bloss auf mit diesem Quatsch"
Doch ich bleibe sitzen und merke gar nicht wie ich meine inneren Stimme nur noch durch Watte wahrnehme irgendwas in mir wird ruhiger.
Vielleicht bin ich gar nicht die Feuerwehr.
Vielleicht bin ich einfach ein Nervensystem, das sehr lange auf Alarm trainiert war.
Und das jetzt langsam lernen darf:
Wahrnehmen was meines ist und wann springe ich für andere, damit ich gut dastehe.
Kennst du das auch?
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